Die deutschsprachigen Versionen

 

 

Auswahl

Von den 48 englischen Originalfolgen wurden für das deutsche Fernsehen nur insgesamt 30 synchronisiert.
Es scheint nicht völlig klar, nach welchen Kriterien die Episoden, die nicht in Deutschland gezeigt wurden, aussortiert wurden.
Immerhin scheint die erste Staffel besser angekommen zu sein; davon sind 17 Folgen auf unseren Mattscheiben gelandet, während nur 13 aus der zweiten Staffel stammen.

Aus der ersten Saison fehlen vorwiegend gruselige Episoden wie Troubled Spirit, Dragon's Domain, End of Eternity, Death's other Dominion oder die Menschenfresserfolge Mission of the Darians.
Gnade vorm Auge der Zensur fanden Folgen wie The Last Enemy (Zwischen zwei Planeten), Full Circle (Die Steinzeitfalle) oder Space Brain (Wer programmiert Kelly?), wohingegen Geschichten wie Testament of Arkadia oder Alpha Child verschmäht wurden.

In der zweiten Saison erscheint die Auswahl noch willkürlicher.
Heuler wie The Rules of Luton (Rühr' nicht die Pflanze an!), A Matter of Balance (Die andere Seite) oder The Beta Cloud (Die Feuerwolke) wurden synchronisiert, während Lambda Factor oder The Dorcons in der Versenkung verschwanden.

 

Folgenlänge

Jede Mondbasis-Folge, die für die ursprüngliche Fernsehausstrahlung synchronisiert wurde, mußte, offensichtlich um dem Sendeformat zu entsprechen, sozusagen Federn lassen und wurde von durchschnittlich 48 auf etwa 43 Minuten gekürzt.

 

Prolog und Titelmusik

Schon der Anfang der Folgen zeigt einen deutlichen Unterschied: Im Original fängt jede Episode der ersten Staffel mit einem "Teaser" an, der einer Einleitung entspricht und den Zuschauer auf das kommende Abenteuer vorbereitet. Für gewöhnlich endet er mit einer Art Höhepunkt, dann folgt erst die Titelmusik mit kurz eingeblendeten Szenen der entsprechenden Folge und der Vorstellung der Hauptpersonen.

In der deutschen Version dagegen wird auf einen ordentlichen Vorspann verzichtet und nur ein fliegender Adler mit Betitelung der Serie und Folge gezeigt. Der Prolog der ersten Staffel wird im Anschluß in die Folge integriert.
Von Barry Grays Titelmusik hören wir nur die ersten Takte.

In der zweiten Staffel bekommt der deutsche Zuschauer statt Derek Wadsworths Kennmelodie einen Ausschnitt aus Jean Michel Jarres "Oxygene" zu hören.

 

Charaktere

Nach dem beschnittenen Anfang geht es mit den Kürzungen munter weiter:
Auf der Strecke bleiben generell alle Szenen, die für die Handlung nicht unbedingt notwendig sind oder die keine Action beinhalten.

Das bedeutet, daß durch die Kürzungen viel von dem verloren geht, was einen Einblick in das soziale Leben der Alphaner bietet, vor allem in der ersten Staffel, die ohnedies weniger Raum für Alltagsleben und Freizeit auf Alpha hat.

So fallen beispielsweise etliche Diskussionen, die zur Charakterdarstellung der jeweils Beteiligten entscheidend beitragen, der Schere zum Opfer.
Ein heftiger Streit zwischen Tony, Maya und Alan in Seeds of Destruction (Der Spiegelplanet) - in dem der Chefpilot sture Loyalität zum vermeintlichen Commander zeigt und seinen beiden Kollegen partout keinen Adler überlassen will - gehört ebenso dazu wie eine Diskussion zwischen John, Helena und Tony in The Exiles (Die Verstoßenen), wo der Kommandant davon überzeugt wird, den Außerirdischen die Erweiterung des Lebenserhaltungssystems zu erlauben. (Zitat Verdeschi: "You ask what people they are. What people are we?").
Andere emotionelle Dispute, wie jener zwischen John und Helena in Dragon's Domain um die geistige Gesundheit von Johns Freund Cellini, werden den deutschen Zuschauern durch Weglassen der Folge überhaupt vorenthalten.

Elemente, die für die innere Logik der Charaktere wichtig waren, wurden häufig einfach ausgelassen. Tatsächlich ist man nach Sichtung der Folge Rückkehr der Toten (Matter of Life and Death) schon etwas verwundert darüber, wie denn Dr. Russells totgeglaubter Ehemann nach seinem überraschenden Auftauchen wieder versterben konnte, ohne daß es jemand für nötig hielt, Helenas Reaktion dazu zu zeigen. Und wirklich: Die Originalfolge bietet einen zerknirschten John Koenig, der sich Schuld am erneuten Tod Lee Russells gibt und eine desillusionierte Helena, die im Innersten gewußt hat, daß ihr Mann nicht wirklich zu ihr zurückgekehrt war.

Im übrigen wurde kreuz und quer weggekürzt, was zur Gefühlsebene gehörte: Liebesszenen wie die zwischen Sandra und Paul in The Last Sunset (Die Verwandlung) und zwischen John und Helena in Journey to Where (Schottische Geschichten) mußten dran glauben sowie eine Reihe von kleinen Puzzleteilen, die im Gesamtbild den Charakter der Hauptpersonen ausmachen. Von Seiten der Schauspieler (insbesondere in der ersten Staffel) war auf eine subtile Darstellung geachtet worden, was nach den Kürzungen dazu führte, daß die Figuren wesentlich eindimensionaler als im Original waren.

 

Humor

Nicht nur Diskussionen schienen der Synchronisationsregie unwichtig, auch konnte man dem Humor der zweiten Staffel nicht viel abgewinnen und eliminierte viele der eingestreuten Szenen, die zur Auflockerung und als humorvoller Abschluß einer Folge gedacht waren. In The Exiles (Die Verstoßenen) wurden beispielsweise gleich zwei humorvolle Schlußszenen entfernt, eine in der sich Tony bei Maya über ihren freizügigen Umgang mit dem Commander (in Helenas Gestalt) beschwert und eine, in der John mit Helena wegen der Zerstörung ihrer Büste Ärger hat.

Die beiden Comic-Folgen The Taybor und Brian the Brain schafften es im Deutschen überhaupt nicht auf die Bildschirme.

 

Diverses

Durch die Kürzung der deutschen Folgen bzw. der Streichung der anderen 18 Episoden entgingen den Zuschauern auch allerhand andere Einzelheiten:

Man erfährt nicht, daß Alan Carter Australier ist.

Victor spielt Violine. In Alpha Child ist in seinem Quartier im Hintergrund eine Geige zu sehen...

...wie auch sonst auf Alpha gelegentlich der Kunst gefrönt wird: In Troubled Spirit sieht man die Alphaner ein Konzert besuchen.

Die berühmten Commlocks werden nicht von energiestarken Duracell-Batterien in Gang gehalten, sondern müssen in Ladestationen mit neuer Energie aufgetankt werden (Alpha Child).

Nicht nur Dr. Russell sondern auch Commander Koenig ist verwitwet - John erzählt Maya in The Rules of Luton (Rühr nicht die Pflanze an) von einem globalen Krieg auf der Erde, in dem seine Frau eines der zahllosen Opfer war.

In derselben Folge gibt Maya ein wenig Information über ihren Heimatplaneten Psychon preis, nämlich, daß dieser ein glücklicher Planet war, auf dem es keine Religions-, Rassen- oder sozialen Unterschiede gab.

In der neuen Staffel wird im englischen Original aus Sandra Sahn. Die Namensänderung wird in der Serie nicht erklärt.

Auch Victors Verschwinden findet keine Erwähnung.

John ist in seiner Freizeit gelegentlich Kendo-Kämpfer (Testament of Arkadia).

John spielt auch Schach. Offensichtlich nicht sehr gut, denn er verliert gegen Kanu in Dragon's Domain.

In Death's other Dominion entschließt sich der Commander zum einzigen Mal, die Entscheidung, den Mond zu verlassen, den Alphanern zu überlassen. (Nicht, daß es dazu kommt...)

Im deutschen Fernsehen sieht man Alan nie singen! Er gibt zwei Gesangsproben in Journey to Where (Schottische Geschichten) und singt auch in The Mark of Archanon und in Death's other Dominion.

Es gibt auch Tiere auf dem Mond, nämlich weiße Tauben: The Mark of Archanon.

Die einzigen beiden Kinder, die auf der Basis auftauchen, bekommt man in der deutschen Ausgabe nicht zu Gesicht (Etrec in The Mark of Archanon und Jackie Crawford in Alpha Child).

Maya hat gewisse empathische Kräfte. In Seed of Destruction (Das Spiegelwunder) äußert sie sich erstaunt über Johns seltsames Verhalten gegenüber Helena: "I'm hypersensitive to all forms of living matter, and when Helena tried to touch the Commander I sensed a coldness! He wouldn't let her touch him!"

Alle internationalen Akzente der Mondbewohner gehen durch die einheitliche Synchronisation verloren. John und Helena sind aus Amerika, Victor ist aus England, ebenso Paul Morrow, Sandra irgendwo aus dem Osten, Tony aus Italien.

 

Tonys abscheuliche Bierpantschereien sind nicht das einzige wiederkehrende Element (wenn auch das hartnäckigste). In The Exiles (Die Verstoßenen) versucht John, das Gewicht der Verantwortung klarzumachen, die ein Befehlshaber trägt, indem er eine Begebenheit schildert, die er als Raumkadett erlebt hat. Dabei war auf einer Venus-Raumstation eine Seuche ausgebrochen, gegen die es kein Mittel gab. Mitglieder des Teams kamen damit in Kontakt und wurden daraufhin von ihrem Commander auf der Raumstation zurückgelassen.

In Lambda Factor wird der Faden wieder aufgegriffen, und es stellt sich heraus, daß es sich bei den beiden um Johns beste Freunde handelte, die starben und daß er sich die Schuld dafür gibt.

Victors künstliches Herz findet Erwähnung in The Infernal Machine (Die Teufelsmaschine), The Black Sun (Auf gefährlichem Kurs) und The Guardian of Piri (Das Glück der Träumenden).

In The Rules of Luton (Rühr nicht die Pflanze an!) erfährt man, daß Maya einen Bruder hatte, der mit anderen Psychons den sterbenden Planeten verlassen hatte. In Dorzak erzählt Sahala, was mit den Schiffen passiert ist: Sie erreichten die Föderation von Croton und verursachten dort Terror und Vernichtung. Einziger Überlebender ist der Philosoph Dorzak, ein gefährlicher Psychopath, der ausgerüstet ist mit starken geistigen Kräften. - Die Schilderung deckt sich allerdings nicht so ganz mit der Vorstellung, die Maya von ihren Leuten hat (s.o.). Ist Maya tatsächlich so naiv, wie gelegentlich angedeutet wird .... oder haben wir da etwa ein kleines Kontinuitätsproblem???

 

Als Vorläufer des Logbuchs waren in den letzten beiden Folgen der ersten Staffel, Dragon's Domain und Testament of Arkadia, Berichte über die Erlebnisse in Form der voice-overs von Helena und John zu hören.

Das erste und beste Monster der Serie wurde den deutschen Zuschauern vorenthalten: Dragon's Domain.

 

Über das Vorleben der Alphaner:

John war bereits vor seinem Amtsantritt am Mond stationiert, was ja durch die erste Folge bekannt ist, aber daß sein damaliger Abgang nicht gerade ein ehrenvoller war (wenn er auch selbst keinen Fehler gemacht hatte und seine Versetzung eine politische Sanktion war) und daß Helena als medizinische Beraterin der Weltraumkommission daran nicht ganz schuldlos war, weiß man nur, wenn man Dragon's Domain gesehen hat.

Bei dieser Gelegenheit mußte übrigens auch Victor den Mond kurzfristig verlassen.

 

Kuriositäten:

In der synchronisierten Fassung wird aus der "Voyager" in der Folge Voyager's Return (Der Mann, der seinen Namen änderte) die Galaxiskop 1 ....

...und in der Folge Schottische Geschichten hat im Jahr `98 1860 München gegen Cosmos New York den Weltcup gewonnen, während im Original die Boston Red Sox die St. Louis Cardinals besiegt haben (Baseball).

 

Filmversionen

Die Alpha-Filme, die auch im Deutschen Fernsehen gezeigt wurden und aus jeweils zwei einzelnen Folgen zusammengeschnitten sind, sind im großen und ganzen auch nicht komplett, wobei durchwegs andere Szenen als bei der Fernsehfassung entfernt wurden. Beispielsweise wird in Jouney Through the Black Sun die Szene des rebellierenden Alan Carters, der den bereitgestellten Adler entdeckt und verlangt, auch mit diesem den Mond verlassen zu dürfen, weggekürzt.
In derselben Fassung wird auch ein ganzer Handlungsbogen eliminiert, der stark Victor-orientiert ist: Er gerät in einen Stromkeis und überlebt nur wegen seines Kunstherzens. (Diese Szenen wurden in der ursprünglichen deutschen TV-Fassung also beibehalten.)

Umgekehrt verschwinden in der deutschen Serienausgabe alle Abschiedsszenen zwischen den Alphanern.

 

Allgemein scheint die Zusammenstellung der langen Fassungen eher willkürlich.

In Alien Attack wird die erste Folge The Breakaway wird mit der 17. Folge War Games verknüpft, vielleicht wegen der Action in War Games, die auch ein unbedarftes Publikum, das keine Ahnung von der Serie hat, vorm Fernsehgerät halten soll.

Übrigens enthält Alien Attack zusätzlich einige neu gefilmte Szenen, die in der ursprünglichen Serie nicht vorhanden gewesen waren. Dies sind alle Teile, die auf der Erde im Kontrollzentrum spielen. Tatsächlich passen sie nicht ganz ins allgemeine Bild, die Leute sitzen vor einer Art vorsintflutlichem Radiogerät und hören quasi in zweiter Reihe zu, was da so auf dem Mond passiert.

In Journey Through the Black Sun wurden Episode 3 The Black Sun und Collision Course(#13) zusammengewürfelt.

The Cosmic Princess zeigt die erste Folge der zweiten Staffel(#25) The Metamorph und Space Warp (#40). Da wird unter anderem auch die gesamte Schlußszene aus The Metamorph entfernt, in der John und Helena der verzweifelten Maya eine neue Heimat auf dem Mond anbieten.

Destination Moonbase (Angriff auf Alpha 1) dagegen ist die einzige Doppelfolge, die gedreht wurde und ursprünglich The Bringers of Wonder (Teil 1+2) hieß. Es sind hier auch dementsprechend viele auflockernde Szenen zu sehen, die etwas Einblick in das private Leben so manchen Alphaners gewähren.
Zum Abspann hören wir von den Oliver Onions eine musikalische Untermalung, die in der Serie nie auftauchte.

 

Selten aber doch hat die deutsche Regie eine Szene zu Recht aus einer Folge entfernt, z.B. in The Guardian of Piri (Das Glück der Träumenden), wo eine Alphanerin bei einer gestörten Bluttransfusion völlig sinnlos stirbt, ohne daß die alphanischen Ärzte wie auch geartete Wiederbelebungsmaßnahmen ergreifen!

Aus Collision Course (Auf gefährlichem Kurs) wird ein Teil von Arras Mutations-Geschwafel eliminiert - was allerdings die Sache auch nicht so recht retten kann...

Und schließlich existiert unter Alpha-Fans, vorwiegend Anhängern der ersten Staffel, die Meinung, daß die Entfernung der zahlreichen humorigen Einlagen aus der zweiten Saison, den Episoden mehr genutzt als geschadet haben.

 

 

Näher Interessierte können sich an Klaus Beer wenden, der sich die Arbeit angetan und die Folgen auf Ungereimtheiten bei der Synchronisation durchforstet hat!

 


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