One Moment of Humanity
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Drehbuch: Tony Barwick
Regie:Charles Crichton
Gäste:
Billie Whitelaw (Zamara)
Leigh Lawson (Zarl)
Geoffrey
Bayldon (Nummer Acht)
Choreographie von Lionel Blair
Helena und Tony werden von der schönen Veganierin Zamara auf ihren Planeten
mitgenommen und müssen dort entdecken, daß die vermeintlichen Menschen
Androiden sind, während in den Roboterverkleidungen Menschen stecken, die
ehemaligen Konstrukteure der Maschinen. Diese haben sich gegen ihre Schöpfer
gewandt und möchten sie töten. Um demonstrierte Gewalt nachzuahmen
und anzuwenden, müssen sie aber erst lernen zu hassen, und dies sollen
ihnen die beiden Geiseln zeigen. Obwohl sie extremen Situationen
ausgesetzt sind, gelingt es Helena und Tony jedoch, jede Gewalt zu vermeiden.
Erst als John ebenfalls dazu kommt und
zusehen muß, wie Helena vom Androiden Zarl verführt wird, geht die Rechnung auf.
Er schlägt Zarl nieder. Als Zamara Zarl triumphierend dazu auffordert, jetzt, da
er gesehen hat, wie Gewalt funktioniert, Helena zu töten, wird der zentrale
Computer, an den die Androiden gekoppelt sind, in einen unüberwindbaren Konflikt
gestürzt. Zarl hat sich in Helena verliebt und durch die Unvereinbarkeit von
gleichzeitiger Liebe und Hass wird er zerstört und mit ihm alle Androiden. Die
Menschen auf Vega sind jetzt frei.
Die Geschichte der Maschine, die ein Mensch sein will, ist ein beliebtes Thema in der Science Fiction und hat seit Pinocchio in Film und Literatur zahlreiche Reinkarnationen erfahren (zuletzt in Steven Spielbergs Filmspektakel A.I. mit direkter Referenz an Collodi). Hier haben wir nun die alphanische Version des Gegenstandes.
Die Androiden sind Individuen, die an das kollektive Bewußtsein
ihres Hauptcomputers angeschlossen sind, mehr noch, nur mit dessen Hilfe auch
existieren können. Über alle Eindrücke, alle Information, die
ein einzelner von ihnen, eines ihrer Glieder, sammelt, werden die anderen in
gleicher Weise informiert, und sämtliche Daten, auch die Emotionen, die
sie sich aneignen, werden in der gut gesicherten Zentrale gespeichert.
Zu
dem Zeitpunkt, als die Alphaner nach Vega geholt werden, sind dort die Menschen
schon sehr vorsichtig geworden. Sie vermeiden es, den Robotern weitere Informationen
über sich zu geben und tragen selbst Masken, damit ihnen nicht auch noch
die letzten Geheimnisse des Menschseins entrissen werden können, die da
sind:
Liebe und Haß.
Die Androiden jedoch haben die menschlichen Emotionen
zu schätzen gelernt, denn sie bedienen sich ihrer, um ihren Zielen näher
zu kommen. "They fear human ingenuity," gibt No.8 Helena und Tony
zu verstehen, was bedeutet, daß die Androiden bei weitem nicht den
Einfallsreichtum der Menschen besitzen und sie diesen über die Aneignung
der Gefühle zu erreichen hoffen. Einen Haken daran haben sie schon erkannt:
es heißt, die Gefühle zu nutzen ohne sich dabei in deren Fallstricke
zu verfangen.
Ihr Wunsch, ein Mensch zu sein, entspringt also nicht der Bewunderung
für das "Original", sondern ist lediglich Mittel zum Zweck.
In
der Tat hegen sie eine starke Abneigung gegen die Menschen, denn sie fühlen
sich ihnen nach wie vor unterlegen - selbst in derem unterdrückten Dasein
droht ihnen von ihren ehemaligen Erzeugern Gefahr, und sie sind sich einig, daß
jene mit Gewalt beseitigt werden müssen.
Sie haben festgestellt, daß Haß und Gewalt miteinander verknüpft
sind, aber sie müssen entdecken, daß sie, die den Haß noch nicht
kennen, die Gewalt auch nicht ausüben können.
Der vorbei ziehende
Mond mit seinen ahnungslosen Bewohnern ist eine willkommene Möglichkeit,
diesen Haß zu lernen, um sich endlich von der Anwesenheit der Menschen
auf Vega zu befreien.
One Moment of Humanity ist eine durch und durch ambivalente
Folge, die jedoch sehr wohl ihre Reize hat.
Dazu gehören die
schauspielerischen Leistungen, insbesondere von Barbara Bain und Tony Anholt, denen
ein großer Teil der Sendezeit eingeräumt wird.
Auch das Set-Design
von Keith Wilson, in das sich die exquisiten Androiden so nahtlos einfügen,
verdient Lob, ebenso die Andeutungen auf das alltägliche Basis-Leben wie
die Bibliothek (in weiser Voraussicht mit Disks als Informationsträger!).
Unglücklich geraten dagegen sind die
wenig glaubwürdigen Bedingungen, die auf dem Planeten Vega herrschen.
Hier
existiert eine Gruppe von Menschen im Untergrund, die quasi von ihren
ehemaligen Produkten, den Androiden, die sich verselbständigt haben, unterdrückt
werden und nur deswegen noch nicht ausgemerzt wurden, weil diese angeblich noch
nicht gelernt haben, Gewalt anzuwenden. An dieser Stelle wird postuliert, daß der
Einsatz von Gewalt allein ermöglicht wird durch sehr starke negative Gefühle
wie Haß, oder Eifersucht oder Zorn. Je nun, der Drehbuchautor
scheint noch nichts von "eiskalten Killern" gehört zu haben,
die aus Berechnung töten und dazu keine Emotionen brauchen.
Es erscheint durchaus nicht einleuchtend, daß über Generationen
eine Zivilisation bestehen sollte, ohne daß die Androiden eine Möglichkeit
gefunden haben sollen, sich ihrer zu entledigen - ganz ohne Emotionen, indem
man den Menschen zB. einfach die Sauerstoffzufuhr abdreht.
Dies ist jedoch nicht der einzige Kritikpunkt an der Folge.
Abgesehen von Fragen die Logik betreffend, wie der, warum denn die menschlichen
Einwohner von Vega Kostüme mit irdischen Nummern auf der Brust tragen,
woher bloß die Papageie kommen, die sich im Besitz der Veganier befinden
und wieso die Androiden dazu in der Lage sind, ein vollständiges Replikat
von Alpha herzustellen (Hologramm??) hat die Folge noch ein anderes Problem.
Es
geht dabei um den letzten Akt im Bemühen der Veganier, ihr Ziel zu erreichen,
nämlich den Commander mit der Verführung Helenas durch Zarl zu einer
Gewalttat zu zwingen, in dem bei eingehender Betrachtung die Ambivalenz der
gesamten Episode gipfelt.
Wo es wohl beabsichtigt war, einen Hauch von Erotik in die Serie zu bringen, entsteht bei der Betrachtung der Szene lediglich das Gefühl von Befremdlichkeit. Sie scheint ein wenig lächerlich und peinlich und jedenfalls fehl am Platz. Genau besehen ist sie aber mehr als das, denn sie gleitet in eine Gefühlsebene ab, die nicht der sonstigen Linie der Serie entspricht, indem sie eine grausame, groteske Situation heraufbeschwört, in der bei einschmeichelnder Musik und Tanz ein Androide schlichtweg dazu aufgefordert wird, eine Vergewaltigung zu begehen. Für das Opfer gibt es keine Möglichkeit, sich zu wehren; auch sonst niemand kann helfen. Verblüffend, daß es eine solche Folge in den Siebzigern so ohne weiteres auf die Bildschirme geschafft hat (nicht im deutschen Sprachraum, wo One Moment of Humanity radikal wegzensuriert wurde).
Doch umgekehrt ist der gesamte Ablauf dieser Schlüsselsequenz logisch, wesentlich durchdachter als viele andere Aspekte der Folge, subtiler als die meisten Episoden der 2. Staffel und im übrigen charakteristisch für die beteiligten Personen.
Helena wird ein Mittel zum Zweck, ein Objekt, das nicht kämpfen, höchstens ausweichen kann. Die Erniedrigung, die sie erfährt, läßt sich für sie leichter ertragen, indem sie die "Vorführung" als einen Tanz betrachtet, ihre Ausweichmanöver können als Tanzschritte und -bewegungen ausgelegt werden. Ihre Sorge aber liegt primär bei John und dabei, ob er sein cholerisches Wesen in Zaum halten kann. Ihr Blick liegt immer wieder beobachtend auf ihm.
Schließlich aber kommt der Augenblick, da sie jäh erkennt, daß sich Zarl in seinen eigenen Fallstricken gefangen hat, daß er ihr verfällt, und sie begreift gleichzeitig, wie der übermächtige Computer besiegt werden kann. Sie dreht den Spieß um und macht Zarl zu ihrem Opfer, indem sie ihm nachgibt und ihn in die emotionale Falle zieht.
Das Spiel ist gefährlich, sie weiß, daß John dies nicht hinnehmen wird, aber sein Eingreifen ist notwendig, um sie zu befreien, ja, notwendig, um das entwürdigende Schauspiel ein für allemal zu beenden. John, in wildem Zorn, spielt seine Rolle, und damit sind beide auschlaggebenden Komponenten vereint: Die Veganier, gierig darauf, ihr Ziel zu erreichen, sehen nur den Haß und die Gewalt, die John ihnen zeigt, Zarl aber erliegt der anderen Seite - seine Faust, zum Schlag erhoben, öffnet sich - er kann, wen er liebt, nicht töten. Damit stürzt der Computer in einen Konflikt, den er nicht lösen kann, alle Individuen, die wie Glieder einer Kette zusammenhängen, müssen gleichgestellt, auf dasselbe Ziel ausgerichtet sein. Der unvereinbare Widerspruch bringt ihn dazu, sich selbst außer Gefecht zu setzen.
Helena ist sich klar, was sie getan hat. Sie hat einer Marionette zum
Menschsein verholfen - und ihr damit den Tod gebracht.
Die letzte Szene zeigt
sie erschüttert und voller Bedauern. Ihr Sieg befreit sie nicht von der
Verantwortung.
Ursprünglicher Titel der Folge: One Second of Humanity
Die Landschaft von Vega, die Tony durch ein Fenster sieht, stammt aus der Episode Death's other Dominion, und war ursprünglich die winterliche Welt von Ultima Thule.
Die Musik auf der Disk, die sich Zamara auf Alpha anhört, ist das molto vivace aus Beethovens Symphonie No.9 d-Moll.
Gerry verlangte einen Teil der Musik, bevor die Folge gedreht war, damit
dazu ein Tanz gefilmt werden konnte. Ich nahm an einer ziemlich peinlichen
Tanzaufführung in Gerrys Büro teil, wo ich die Rolle von (Choreographen)
Lionel Blairs Partner spielte, um die Szene zu verstehen. Glücklicherweise
waren meine Kinder nicht dabei! Übrigens, diese ganze Sequenz wurde
rund um ein Stück eines amerikanischen Albums von einem sehr guten Künstler
aufgebaut - Tony Genelli?... Tony Vanelli?... Gino Vanelli?... Strawbery Vanilla?...
oder sonstwer.- Es war ein sehr gutes Stück, das Lionel gefunden hatte.
(Es handelt sich um Gino Vanellis Storm at Sunup aus dem Album gleichen
Namens, 1975)
Derek Wadsworth
- MoreSpace Campaign Interview, 1997
Zamara: Your small world entered our sphere of influence.
Zamara zu Helena (über das ungenießbare Essen): It sticks in your throat you decrepit hag!!
Zarl zu Tony: You foul-mouthed lying cretin!
#8 zu Helena: They are the androids, we are the humans!
Helena: John will find some way to contact us. I know he will!
Helena: Don't panic, Helena!
Helena zu den Veganiern: Party's over kids! Come on out!
Zamara: You begin to sound human, Zarl. Be careful. You know the dangers...
Zarl: The way he looks at her. To feel something as strongly as jealousy. Can we be missing so much?
Zamara: Emotion is a weakness. We can use it, but we must never become ensnared!
Zarl zu Helena: Chaste as an icicle, fashioned by the purest frost. I will melt thee.
Helena: I'm sorry, Zarl.
Zarl: No, don't be sorry. It was
worth it. One moment of humanity.